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Kennerschaft, Kompetenz, Vertrauen

Diesen Kernbegriffen unserer Arbeit fühlen sich alle verpflichtet, die bei Grisebach tätig sind – beflügelt durch eine Liebe zur Kunst, die nie in Routine abgleitet. Das Vergnügen, den Augenblick der Erkenntnis großer Kunst mit Gleichgesinnten zu teilen, dabei eingebunden zu sein in ein Netzwerk von Menschen, die sich dieser Leidenschaft als Sammler oder Forscher verschrieben haben, ist ein Grundbedürfnis seit Gründung unseres Auktionshauses vor vier Jahrzehnten – und es ist die eigentliche Belohnung für unsere Arbeit, über das Merkantile hinaus. In der Zeit zwischen dem Erscheinen der neuen Kataloge und den folgenden Auktionen wird die Villa zu einem Museum auf Zeit: ein Ort überraschender Entdeckungen, die manchmal sogar Neudefinitionen der Kunstgeschichte nach sich ziehen.

Lifting Spirit

Dass es in der Fasanenstraße immer und zuerst um die Kunst geht, spüren alle, die hier einmal zu Besuch gekommen sind. „Everytime I come here it lifts my spirit“, schrieb der Nobelpreisträger Eric Kandel in unser Gästebuch. So wie er haben seit dreißig Jahren viele Menschen empfunden, die sich der internationalen Grisebach Community zugehörig fühlen. Die Tür der Villa steht immer weit offen für die weltweite Gemeinde ernsthafter Kunstfreunde. Das Familiäre ist ein Kennzeichen des Unternehmens.

Der Erfolg Grisebachs als Marktplatz zum Nutzen unserer Kunden verdankt sich nicht zuletzt der Tatsache, dass unser Haus sich als eine ambitionierte Forschungsstätte versteht. Moderne Kunstgeschichte und verantwortungsbewusster Kunsthandel sind den gleichen Prinzipien verpflichtet. Ihr Ideal ist die transparente, intelligent erforschte „Biografie“ jedes Kunstwerks. Berlin ist für solches Forschungsinteresse an der Entstehungs-, Wirkungs- und Besitzgeschichte ein sehr guter Ort. Wir arbeiten in Rufweite der großen Museen und sind eingebettet in eine der dichtesten kunst- und kulturhistorischen Forschungslandschaften der Welt. Beste Voraussetzungen also für schnelle, hochkarätige Expertisen. Grisebach ist im Vergleich zu den großen Tankern des globalen Kunsthandels ein „wendiges Schnellboot“ (Bernd Schultz).

Genius Loci

Familiarität ist in der Villa kein Gegensatz zur Internationalität. Die hanseatische Herkunft unseres Gründers hat Grisebach eine Mitgift an Weltoffenheit eingebracht, die der Globalisierung des Kunsthandels in jüngerer Zeit sichtbar vorausgeht. Berlin ist inzwischen wieder geworden, was die Gründer von Grisebach vor fast drei Jahrzehnten herbeigesehnt hatten: eine Weltstadt der Kultur. Freundschaften stiften durch Kunst und Kultur, geschichtsbewusst bleiben und das Beste an Berlin weitertragen, in dem aufgeklärten Geist der Neugier und Toleranz – das ist die Botschaft des Hauses.

Weltweite Wirkung

Grisebach darf für sich in Anspruch nehmen, die unumstrittene Weltgeltung des deutschen Impressionismus und Expressionismus, aber auch der Kunst des Realismus und der Neuen Sachlichkeit erheblich befördert zu haben. Dieser Impuls auf die Wahrnehmung deutscher Kunst der klassischen Moderne ist kulturgeschichtlich bedeutsam und auf diesem Feld und in der Sammlungsgeschichte ist das Auktionshaus unbestrittene Autorität. Museen und Privatsammler sowie wissenschaftliche Institute machen von der Kompetenz der vielen Mitstreiter bei Grisebach regen Gebrauch.

Das Grisebach-Netzwerk

Der dauerhafte Erfolg gründet sich vor allem auf das unermüdliche Engagement, die Neugier und langjährige Erfahrung der Grisebacher. Der Pflege enger, Kontakte zu Sammlern, Experten, Institutionen, Künstlern, Restauratoren und Provenienzforschern in Deutschland und der Welt verdanken wir unseren herausragenden Ruf. 30.000 Personen umfasst dieses Netzwerk mittlerweile. Es erstreckt sich von Europa bis in die Vereinigten Staaten von Amerika, über Lateinamerika, den Nahen und den Fernen Osten bis nach Australien. Neben unseren Teams in den Repräsentanzen Düsseldorf, München und Zürich stehen Ihnen auch Repräsentanten in Hamburg, Köln, Frankfurt und Stuttgart jederzeit für vertrauensvolle, diskrete Beratung und für unverbindliche Begutachtung und Schätzung von Kunstwerken zur Verfügung.

Erweiterung des Spektrums

Weil die Geschichte der Kunst im 19. und 20. Jahrhundert nicht verstanden werden kann ohne die Wirkung des Mediums Fotografie, hat Grisebach 1998 mit der regelmäßigen Versteigerung bedeutender Fotografien begonnen. Dem Team um Diandra Donecker gelang es im Frühjahr 2018, mit dem unikaten Fotogramm „Ohne Titel“ von László Moholy-Nagy aus dem Jahr 1923/25 den bis heute höchsten Preis für einen Vintage-Abzug in Deutschland zu erzielen.

In den letzten Jahren wurde das Angebot speziell auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst intensiviert. Entscheidend hierfür ist die Erkenntnis, dass mit dem weltweiten Aufstieg der aktuellen deutschen Malerei wieder eine „klassische Moderne“ aus Deutschland greifbar wird.

Grisebach hat das Angebot auch im Bereich der Kunst des 19. Jahrhunderts erweitert und führt dazu seit 2011 ebenfalls eigene Auktionsveranstaltungen durch. Dr. Anna Ahrens mit ihrem Team trägt zur erfolgreichen Wiederbelebung dieser Kunstepoche bei.

In der Herbstsaison 2012 wurde unter der Leitung von Dr. Stefan Körner die Abteilung „ORANGERIE Ausgewählte Objekte“ gegründet. Sammelwürdige Kunsthandelsobjekte von der Antike bis in die Moderne wurden bis 2019 in eigenen Auktionsveranstaltungen angeboten.

FAZ 2003:

„Die beste Auswahl an Fotografien bei den diesjährigen Herbstauktionen hat Grisebach. Und am liebsten möchte man hinzufügen: wieder einmal. Den Katalog durchzublättern ist pures Vergnügen.“

Wirtschaftlicher Erfolg

Das Konzept und der neue Stil wie auch die Konzentration auf einsouverän beherrschtes kunsthistorisches Revier wurden bei der Gründung von Grisebach unter den Sammlern sofort positiv aufgenommen. Bereits im ersten Jahr schrieb Grisebach schwarze Zahlen. Was besonders wichtig war: Zwischen den Mitarbeitern der Villa, den Einlieferern, den Experten und Sammlern entstand ein Netz gegenseitigen Vertrauens.

„Grisebach“ wurde schnell ein Synonym für spektakuläre Zuschläge und interessante Entdeckungen. 1988 erzielte Lyonel Feiningers „Raddampfer II“ (1928) den ersten Weltrekord mit brutto 2,4 Mio. Mark. 1989 brachte Franz Marcs Gouache „Fabeltier“, auf 450.000 Mark geschätzt, brutto 3,0 Mio. Mark ein. Adolph von Menzels Berlin-Bild „Der Schafgraben“ von 1846 wurde 2003 für brutto 1,3 Mio. Euro verkauft, ein erster Weltrekordpreis für den deutschen Künstler. Seine „Stehenden Rüstungen“ kamen im Herbst 2014 in der Auktion Kunst des 19. Jahrhunderts sogar für 3,3 Mio. Euro unter den Hammer. Ähnlich Max Beckmann: Sein Frauenbildnis „Anni“ wurde im Jahr 2005 für brutto 3,9 Mio. Euro verkauft, das bis dahin teuerste Kunstwerk bei einer Auktion in Deutschland. Im Frühjahr 2018 wurde dessen geheimnisvolle „Ägypterin“ dann sogar für aufsehenerregende 5,5 Mio. Euro verkauft.

Am 1. Dezember 2022 schrieb Grisebach dann endgültig Kunstmarktgeschichte: Mit sensationellen 23,2 Millionen Euro erzielte Max Beckmanns überragendes „Selbstbildnis gelb-rosa“ bei Grisebach den höchsten Zuschlag in der Geschichte einer Auktion in Deutschland. Gegen Gebote aus fünf Ländern konnte sich ein Bieter aus der Schweiz erfolgreich durchsetzen.

Im Oktober 2018 wurde zudem die spektakuläre Sammlung Bernd Schultz „Abschied und Neuanfang“ zugunsten eines Exilmuseums in Berlin versteigert. Umsatz: 6,5 Mio. Euro.

Bernd Schultz:

„Dieses Jahrhundertwerk erzielt zu Recht einen Spitzenpreis! Mit diesem Ergebnis setzt Grisebach für den deutschen Kunsthandel eine internationale Marke und hat Berlin wieder zum Schauplatz mit Auktionsergebnissen auf Weltniveau gemacht.“

Der erste Gast: Bernd Schultz begrüßt den Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 26. April 1986 zur Besichtigung anlässlich der Eröffnung der Häuser Fasanenstraße 24 und 52.

Der erste Gast: Bernd Schultz begrüßt den Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 26. April 1986 zur Besichtigung anlässlich der Eröffnung der Häuser Fasanenstraße 24 und 52.

Gründung und Gründer

Anfang 1986 fanden sich in Berlin fünf Kunsthändler zusammen, die ein Auktionshaus neuen Stils gründeten. Berlin schien den Gründern der richtige Platz zu sein, um der deutschen Kunst eine internationale Bühne zu schaffen.

Inspirierende und treibende Kraft war der Bremer Kaufmannssohn Bernd Schultz, der sich. noch als Lehrling im Bankhaus Lampe von Hans Pels-Leusdens kunstmissionarischem Feuer anstecken ließ, als Werkstudent in dessen Kunsthandlung eintrat und 1975 schließlich Partner wurde.

Hans Pels-Leusden (1908–1993), Händler und Maler, Sammler und Stifter des Berliner Kollwitz-Museums, war vielfältig persönlich verbunden mit den Künstlern der deutschen Moderne. Sein Credo: „Ein Kunstliebhaber muss für die Kunst brennen.“

Wilfried Utermann leitet in vierter Generation die 1853 gegründete Galerie Utermann in Dortmund, die älteste noch in Familienbesitz befindliche Kunsthandlung Deutschlands. Sie hat sich seit 1970 der Kunst des Expressionismus und der klassischen Moderne verpflichtet, besonders Lyonel Feininger, Christian Rohlfs und den Künstlern der Brücke.

Raimund Thomas hat seine Galerie seit 1964 zu einem Fokus der klassischen Moderne gemacht. Im traditionell konservativen München war es ihm gelungen, an die Tradition der großen Münchner Moderne-Händler Goltz, Thannhauser, Franke und Stangl anzuknüpfen.

Michael Neumann in Düsseldorf, der leidenschaftliche Freund der klassischen Moderne, war auf vielfältige Weise mit dem Kunstleben vertraut. Schon früh interessierte er sich für die Fotografie; seine Begeisterung für die zeitgenössische Kunst war ansteckend.

Bernd Schultz ist noch heute Gesellschafter. Dazu sind die Geschäftsführer Daniel von Schacky, Diandra Donecker, Micaela Kapitzky und Dr. Markus Krause an der Gesellschaft beteiligt.

Die heutige Geschäftsführung.

Die heutige Geschäftsführung

Ein neuer Stil

Die Gründung im Jahr 1986 war ein Wagnis. Berlin war seit August 1961 durch den Mauerbau in zwei Hälften geteilt und wirtschaftlich geschwächt; mit Kunst wurde vornehmlich in Köln, München und auf internationalem Parkett gehandelt. Dennoch hatte Bernd Schultz die Vision von einem international beachteten Auktionshaus mit hohen Ansprüchen. Die Zwanzigerjahre, die Blütezeit der jüdischen Kunsthändler und Sammler, die 1933 abrupt abbrach, waren sein Leitbild. Diese Vision umzusetzen bedeutete, Kompetenz, Konzentration und Wagemut mit Leidenschaft zu verbinden. Als Aktionsfeld wurde Kunst vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart bestimmt und dafür mit großen Anstrengungen ein Team von höchster Expertise gewonnen.

Einen eigenen Weg beschritt Grisebach bei den Versteigerungsbedingungen. Die Garantien des Hauses gingen über die damals übliche Haftung des allgemeinen Kunsthandels weit hinaus. Grisebach verbürgt sich für Urheberschaft, Technik und Signatur der versteigerten Kunstobjekte, soweit es nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft möglich ist – ein „revolutionärer“ Ansatz, wie das „Handelsblatt 1986 schrieb.