Grisebach konnte sich in den vergangenen Jahren mit besonders herausragenden Porträts der Neue Sachlichkeit profilieren, etwa mit „Haus Nr. 9“ von Anton Räderscheidt, in dem er subtil die innere Agonie angesichts des äußeren Aktionismus der Roaring Twenties darstellt, oder mit seinem Selbstbildnis im Panzer des schwarzen Anzugs.
Auch Rudolf Schlichter, der mit „Helene Weigel“ ein Bildnis malt, das alle Utopien und Geschlechterrollen hinter sich lässt, gehört in diese Gruppe. Curt Querner erzählt mit seiner detailgenauen Gesichtslandschaft von den Jagdgründen hinter den Falten, Schlichters „Speedy“ vom lustvollen Spiel mit weiblichen Identitäten, und Hans Grundig schließlich zeigt im „Schüler mit roter Mütze“ die leeren Augen einer müden Jugend, die ahnt, dass das Beste bereits hinter ihr liegt.
Utopieverlust, Emotionskontrolle, das Spiel mit Identitäten und die Befreiung aus Rollenzuschreibungen – das sind die großen Themen dieser Porträts der Neue Sachlichkeit. Und es sind zugleich Themen, die auch unsere heutigen Zwanzigerjahre prägen.